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"Enemy mine"

David sprach zu Goliath:
„Du bist ein Riese, ich ein Schrat.
Doch es steht schon in der Bibel,
dass ich dir eins drüberzwiebel!“

Die Bibel erwähnt nicht, dass dies auch für süsse Kätzchen gilt.

Miezka ist so süss.

Miezka ist so verspielt.

Miezka ist so verschmust.

Glaubte ich jedenfalls. Zumindest so lange, bis ich feststellen musste, dass ich einen verkappten Predator beherberge. Aber der Reihe nach.

Angefangen hat alles mit einem Spaziergang. Ein ganz normaler Spaziergang, Sonntag nachmittags, wie ihn tausend Leute, dem menschlichen Herdentrieb folgend, auch machen. Und Miezka kennt das schon, sie will mit. Aber natürlich, süsses Kätzchen.

Sie ist zwar neugierig und begutachtet alles, was die Dauer des Spaziergangs erheblich in die Länge zieht, aber ich habe am Wochenende Zeit genug. Und sie ist artig genug, in der Nähe zu bleiben und immer wieder mal nach mir zu schauen. Wäre ja sonst eine Katastrophe, sie hat keinen Wohnungsschlüssel und die Dosen mit dem Katzenfutter kriegt sie auch nicht auf. Ich weiss nicht, welcher Teufel mich geritten hat, diesmal einen anderen Weg zu nehmen. Wie dem auch sei, nach einigen Kilometern mit viel untersuchen, schnüffeln und Schmetterlinge jagen, kamen wir an eine Bank am Wegrand, wo ich mich für einen Augenblick niederlassen wollte. Miezka auch, unter der Bank im Schatten. So weit, so friedlich.

Aber natürlich die anderen Sontagnachmittagsausflügler.

„Mami, schau mal, eine Katze“

„Liebe Katze“

„Darf ich die streicheln?“

Miezka lässt alles mit absoluter Missachtung des Geschehens über sich ergehen. Bis...

Ja, bis da einer kommt mit einem dalamtinerähnlichen Hund an der Leine. Der Dalamatiner sieht Miezka und ist sehr interessiert, macht aber keine Anstalten zu einer Kriegserkärung. Wahrscheinlich hat er noch nie eine Katze unter einer Bank gesehen. Er beginnt zu schnuppern. Wie er auf einen Meter herangekommen ist , beginnt unter der Bank ein Fauchen und Miezka schiesst unter der Bank hervor, dem Hund entgegen, mit gestäubtem Fell und Schwanz. Der springt zurück, hinter sein Herrchen und ich kann Miezka gerade noch erwischen. Anscheinend hat die Völkerverständigung hier total versagt.

Hundebesitzer und Dalmatiner ziehen ab, er murmelt etwas, das ich lieber nicht verstehen möchte. Nun gut, irgend etwas war vielleicht an dem Hund und schliesslich ist Angriff die beste Verteidigung. Ende des Kapitels.

Der Tragödie zweiter Teil.

Drei Wochen später. Diesmal am Fluss.

Miezka stromert herum, schaut ab und zu nach mir und legt sich dann neben mir ins Gras.

Braves Kätzchen.

Die Sonne wärmt und ich vertiefe mich immer mehr in Professor Tolkiens Werk, so dass ich nicht mehr auf meine Umgebung und insbesondere nicht auf Miezka achte. Was genau passiert ist, weis ich bis heute nicht, auf jeden Fall springt Miezka schlagartig mit einem fürchterlichen „Miauuuuu“ auf und rast davon. Im gleichen Augenblick höre ich ein schmerzhaftes Gejaule.

Wie ich mich umdrehe, bietet sich ein wahrhaft groteskes Bild: Oben am Fussweg, steht ein Mann mit einem Hund vom Typ Rottweiler an der Leine. Der, von den Ausmassen eines kleinen Mastkalbes, jault verzweifelt. Denn mitten auf seinem Gesicht hängt Miezka und schlägt ihm genüsslich ihre Krallen in Schnauze und Augen. Das Gesicht des Mastkalbs ist bereits total blutüberstömt. Herrchen scheint ein Feigling zu sein, jedenfalls traut er sich nicht an die kratzende Furie heran. Buch weg und zum Weg rauf sind eins.

Es blieb nicht die Zeit, ihr zu erklären, dass Rottweiler keine Mäuse und daher nicht zum Verzehr für Katzen geeignet sind. Nur Miezka weg von dem Hund, wenn der wieder klar kommt, genügt ein Biss und Miezka war mal. Man glaubt es nicht, wie stark die Krallen einer Katze sein können, besonders wenn sie sich in einen Hund vergraben haben. Irgendwie muss ich’s wohl geschafft haben, sie vom Hund abzupflücken.

Eigentlich ist Miezka nicht sehr gross, aber mit dem gesträubten Fell sah sie aus wie ein Säbelzahntiger in Angriffsstellung. Selbst als sie auf meinem Arm war hat sie noch jede Menge Flüche und Beschimpfungen in der Katzensprache auf den Hund niedergelassen. Beruhigt hat sie sich erst nach Stunden.

Auf jeden Fall hat der Rottweiler nur noch gewinselt und sich an seinen Besitzer gedrückt. Das Vieh tat mir richtig leid, so zugerichtet war der.

Aber jetzt war erst mal Rottweilers Besitzer an der Reihe. Von wegen besser auf die Katze aufpassen, die sei ja gemeingefährlich, der arme Hund und überhaupt. Des Wortwechsels Ende vom Lied, ich hab ihm meine Adresse gegeben mit der Zusage, das meiner Versicherung zu melden. Herausgekommen sind da nur einige Euros für meinen Anwalt, denn das Ganze ging aus wie das Hornberger Schiessen. Einen Hund muss man an der Leine Führen, eine Katze nicht, denn das sind im Prinzip Freigänger und als solche nicht dauerhaft zu beaufsichtigen. Jedenfalls denke ich jetzt darüber nach, ob man Miezka nicht auf andere Ziele aufmerksam machen könnte, beispielsweise Finanzbeamte. Ihr könnte eine grosse Karriere bevorstehen.

Noch habe ich nicht entschieden.

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Das war meine Geschichte. Also bis dann!

           Mike

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